
Der therapeutische Erfolg eines Thermalbadbesuchs hängt nicht von der Verweildauer ab, sondern von der Einhaltung eines präzisen physiologischen Protokolls.
- Die richtige Wassertemperatur und begrenzte Badezeit (max. 20-25 Min.) sind entscheidend, um den Kreislauf nicht zu überlasten.
- Die anschliessende Ruhephase ist ebenso wichtig wie das Bad selbst, um die heilsamen Prozesse im Körper zu verankern.
Recommandation : Behandeln Sie Ihren nächsten Thermalbadbesuch wie eine medizinische Anwendung: Planen Sie kurze, gezielte Einheiten mit anschliessender Nachruhe, um Gelenkschmerzen effektiv zu lindern und negative Reaktionen zu vermeiden.
Der Gedanke an warmes, mineralhaltiges Wasser, das sanft die schmerzenden Gelenke umschmeichelt, ist für viele Menschen mit Arthrose oder rheumatischen Beschwerden ein Hoffnungsschimmer. Thermalbäder gelten seit jeher als Oasen der Linderung, in denen Steifigkeit und Schmerz für eine Weile in den Hintergrund treten. Viele glauben dabei intuitiv: Je länger man im heilsamen Nass verweilt, desto intensiver und nachhaltiger ist die Wirkung. Man möchte die wohltuende Wärme so lange wie möglich auskosten, in der Annahme, dem Körper damit das Maximum an Gutem zu tun.
Doch aus balneologischer Sicht – also der Lehre von der therapeutischen Anwendung von Heilwässern – ist dieser Ansatz nicht nur ineffektiv, sondern kann sogar kontraproduktiv sein. Die wahre Kunst der Thermaltherapie liegt nicht im passiven Ausharren, sondern im aktiven Management der Körperreaktionen. Was, wenn die eigentliche Frage nicht lautet „wie lange?“, sondern „wie genau?“. Was, wenn die entscheidenden Faktoren die richtige Temperatur, die gezielte Dauer und vor allem die oft vernachlässigte Phase nach dem Bad sind?
Dieser Leitfaden führt Sie aus der Perspektive eines Badearztes durch die physiologischen Prinzipien einer wirksamen Thermaltherapie. Wir werden gemeinsam verstehen, warum Schwefelwasser trotz seines Geruchs bei Arthrose Linderung verschafft, wie Sie Kreislaufprobleme gezielt vermeiden und warum die Nachruhe der wichtigste Teil Ihres Besuchs ist. Ziel ist es, Ihnen ein klares, medizinisches Protokoll an die Hand zu geben, damit Sie Ihr nächstes Thermalbad nicht nur geniessen, sondern es als hochwirksame Anwendung zur Linderung Ihrer Gelenkschmerzen nutzen können.
Um die vielfältigen Aspekte einer erfolgreichen Thermaltherapie zu beleuchten, gliedert sich dieser Artikel in mehrere Bereiche. Vom Verständnis der Wirkstoffe im Wasser bis hin zu praktischen Tipps für den Alltag und für besondere Bedürfnisse bietet der folgende Überblick eine klare Struktur.
Sommaire : Ihr ärztlicher Leitfaden zur optimalen Nutzung von Thermalwasser bei Gelenkbeschwerden
- Warum Schwefelwasser stinkt, aber bei Arthrose Wunder wirken kann?
- Wie verhindern Sie Schwindelgefühle beim Wechsel zwischen warmem Wasser und kalter Luft?
- Chlorgehalt vs. Naturbecken: Was ist besser für empfindliche Haut?
- Der Irrtum, dass passives Herumsitzen im Wasser Kalorien verbrennt
- Wann sind die Becken am leersten: Antizyklisches Baden für Risikogruppen
- Laufen vs. Radfahren: Wann sollten Sie bei Knieproblemen zwingend umsteigen?
- Massage oder Sauna: Was hilft besser bei stressbedingten Nackenverspannungen?
- Entspannung mit Kindern: Gibt es Familien-Spas, in denen Eltern wirklich Ruhe finden?
Warum Schwefelwasser stinkt, aber bei Arthrose Wunder wirken kann?
Der charakteristische Geruch von Schwefelheilquellen, der an faule Eier erinnert, ist für viele Besucher zunächst gewöhnungsbedürftig. Doch dieser Geruch ist das Markenzeichen einer der wirksamsten Substanzen im Kampf gegen Gelenkbeschwerden: Schwefelwasserstoff. Dieser Stoff kann die Hautbarriere durchdringen und direkt im Gelenk seine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung entfalten. Er greift in die biochemischen Prozesse der Entzündung ein und hilft, den Gelenkknorpel zu schützen und seine Regeneration zu unterstützen.
Die Wirksamkeit ist keine blosse Empfindung, sondern wissenschaftlich belegt. So zeigte eine 12-wöchige Studie mit organischem Schwefel eine Schmerzreduktion von 52 Prozent bei Arthrosepatienten. Während diese Studie die orale Einnahme untersuchte, bestätigt sie das immense Potenzial von Schwefel als therapeutische Substanz. In einem Thermalbad wird der Wirkstoff zusätzlich über die Haut aufgenommen und durch die Wärme des Wassers in seiner Verteilung im Körper gefördert.
Fallbeispiel: Die hochkonzentrierte Schwefelquelle von Bad Abbach
Ein hervorragendes Beispiel für die Potenz von Schwefelwasser ist die Quelle in Bad Abbach. Wie eine Analyse zeigt, enthält sie über 2 Gramm gelöste Mineralstoffe pro Liter, darunter einen hohen Anteil an wirksamem Schwefel. Diese hohe Konzentration macht sie besonders effektiv bei der Behandlung von rheumatischen Beschwerden. Patienten berichten selbst bei langjährigen und starken Leiden von einer deutlichen und nachhaltigen Besserung nach einer Kur, was die medizinische Bedeutung hochmineralisierter Heilwässer unterstreicht.
Der unangenehme Geruch ist also der Preis für eine hochwirksame, natürliche Therapie. Anstatt ihn als störend zu empfinden, sollten Sie ihn als Qualitätsmerkmal für ein Wasser betrachten, das Ihren Gelenken wertvolle, heilende Substanzen zuführt.
Wie verhindern Sie Schwindelgefühle beim Wechsel zwischen warmem Wasser und kalter Luft?
Ein häufiges und unangenehmes Phänomen beim Besuch eines Thermalbades ist das plötzliche Schwindelgefühl beim Verlassen des warmen Beckens. Dies ist keine Einbildung, sondern eine direkte physiologische Reaktion Ihres Körpers. Das warme Wasser führt zu einer Weitung der Blutgefässe (Vasodilatation), insbesondere in der Haut, um Wärme abzugeben. Dadurch sinkt der Blutdruck. Wenn Sie das Becken verlassen und sich aufrichten, sackt das Blut kurzzeitig in die Beine, und das Gehirn wird für einen Moment weniger durchblutet. Das Resultat ist Schwindel oder sogar Schwarzwerden vor den Augen.

Wie auf dem Bild zu sehen, ist der Übergang vom Wasser an die Luft ein kritischer Moment für den Kreislauf. Um diese Reaktion zu vermeiden, ist ein kontrolliertes Vorgehen unerlässlich. Anstatt abrupt aufzustehen, sollten Sie sich langsam und in Etappen aus dem Wasser begeben. Setzen Sie sich zunächst auf den Beckenrand und lassen Sie die Beine noch im Wasser. Geben Sie Ihrem Kreislauf so einen Moment Zeit, sich an die neue Position und die kühlere Umgebungstemperatur anzupassen. Richten Sie sich erst danach vollständig auf.
Ein strukturierter Ablauf ist der Schlüssel zur Stabilisierung. Ein bewährtes ärztliches Protokoll umfasst nicht nur das Bad selbst, sondern auch die Phasen davor und danach. Hier sind die wichtigsten Schritte für ein kreislaufschonendes Badeerlebnis:
- Optimale Badedauer: Beginnen Sie Ihre Therapie mit kurzen Einheiten. Für den Anfang sind maximal 20-25 Minuten im warmen Wasser völlig ausreichend, um eine therapeutische Wirkung zu erzielen, ohne den Kreislauf zu überlasten.
- Essenzielle Nachruhe: Die Phase nach dem Bad ist entscheidend. Wickeln Sie sich sofort in einen vorgewärmten Bademantel oder dicke Handtücher und gönnen Sie sich eine Ruhephase von mindestens 20 Minuten im Liegen. Dies ermöglicht dem Kreislauf, sich zu normalisieren und die heilsamen Reize des Thermalwassers zu verarbeiten.
- Ausreichende Hydratation: Durch das Schwitzen im warmen Wasser verliert der Körper Flüssigkeit. Trinken Sie direkt nach dem Bad und der Ruhephase etwa einen halben Liter stilles Wasser oder Kräutertee, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen.
Chlorgehalt vs. Naturbecken: Was ist besser für empfindliche Haut?
Für Menschen mit empfindlicher Haut, Neurodermitis oder Psoriasis ist die Wahl des richtigen Beckens von grosser Bedeutung. Herkömmliche Schwimmbäder setzen auf Chlor zur Desinfektion, was zwar Bakterien effektiv abtötet, aber auch die empfindliche Hautbarriere und das natürliche Hautmikrobiom stören kann. Es kann zu Trockenheit, Reizungen und einer Verschlimmerung bestehender Hauterkrankungen führen. Ganz anders verhält es sich mit mineralreichen Naturbecken, insbesondere solchen mit Schwefelgehalt.
Wie das Wobenzym Gesundheitsportal hervorhebt, ist die Wirkung von Schwefel auf die Haut tiefgreifend positiv:
Bei bestimmten Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Ekzeme und Schuppenflechte wirken sich Schwefelbäder positiv auf die Symptome der Krankheiten aus.
– Wobenzym Gesundheitsportal, Die heilende Wirkung von Thermalbädern
Schwefel wirkt sanft antibakteriell, ohne die gute Hautflora zu zerstören. Er wirkt keratolytisch, das heisst, er hilft, überschüssige Hornschuppen abzutragen, was besonders bei Schuppenflechte vorteilhaft ist. Gleichzeitig wirkt er entzündungshemmend und beruhigend, was bei Ekzemen und Neurodermitis Linderung verschafft. Die Mineralien im Thermalwasser unterstützen zusätzlich die Regeneration und Stärkung der Hautbarriere.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede für Menschen mit Hautproblemen zusammen, basierend auf den typischen Eigenschaften der Wasserarten, wie sie auch von Thermen wie der Sonnenhof-Therme beschrieben werden.
| Eigenschaft | Chlorbecken | Schwefelbecken |
|---|---|---|
| Hautmikrobiom | Störung der Bakterienflora möglich | Unterstützt Regeneration |
| Bei Neurodermitis | Potenziell reizend | Entzündungshemmend |
| Bei Psoriasis | Kann austrocknen | Stärkt Hautbarriere |
| Antibakterielle Wirkung | Stark, aber aggressiv | Sanft und natürlich |
Für Patienten mit Gelenkschmerzen und gleichzeitig empfindlicher Haut ist die Wahl eines Thermalbades mit einem natürlichen Schwefel- oder Solebecken daher klar die bessere medizinische Empfehlung. Es bietet eine Doppeltherapie: Linderung für die Gelenke und Pflege für die Haut.
Der Irrtum, dass passives Herumsitzen im Wasser Kalorien verbrennt
Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass der Körper beim Verweilen im warmen Thermalwasser kräftig arbeiten muss, um die Temperatur zu regulieren, und dabei ordentlich Kalorien verbrennt. Das ist leider ein Wunschdenken. Passives Sitzen im warmen Wasser hat einen vernachlässigbaren Effekt auf den Kalorienverbrauch. Der wahre therapeutische Nutzen liegt nicht im Stoffwechsel-Boost, sondern in der tiefgreifenden Wirkung auf Schmerz und Entzündungsprozesse. Eine dreiwöchige Studie in Bad Füssing ergab beispielsweise, dass 77% der Fibromyalgie-Patienten in der Thermalwassergruppe von deutlich weniger Schmerzen berichteten – ein Effekt, der auf die Entspannungs- und Entzündungsregulation zurückzuführen ist, nicht auf Fettverbrennung.
Doch was passiert dann auf metabolischer Ebene? Der eigentliche, wissenschaftlich faszinierende Effekt ist die Bildung von sogenannten Hitzeschockproteinen (HSPs). Wenn der Körper einer moderaten Hitzebelastung ausgesetzt ist, wie in einem warmen Thermalbad, reagieren die Zellen mit der Produktion dieser speziellen Proteine. HSPs helfen, andere Proteine in den Zellen zu reparieren und vor Stress zu schützen. Sie haben eine stark entzündungshemmende Wirkung und verbessern die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems.
Der wahre metabolische Effekt: Die Hyperthermie-Studie
Eine Studie zur gezielten Hyperthermie durch Thermalbäder hat diese Mechanismen eindrucksvoll belegt. Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz absolvierten über zwei Wochen tägliche Bäder von nur 10 Minuten bei 40°C. Das Ergebnis: Es wurde zwar kein erhöhter Kalorienverbrauch gemessen, aber die Herzfunktion verbesserte sich signifikant und systemische Entzündungsmarker im Blut wurden reduziert. Dies zeigt, dass die Wärme des Thermalwassers auf zellulärer Ebene wirkt und heilende Prozesse anstösst, die weit über eine simple Muskelentspannung hinausgehen.
Vergessen Sie also den Mythos vom Kalorienverbrennen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf den wahren Schatz der Thermaltherapie: die Aktivierung körpereigener Reparatur- und Schutzmechanismen, die Ihnen nachhaltig bei Schmerzen und Entzündungen helfen können.
Wann sind die Becken am leersten: Antizyklisches Baden für Risikogruppen
Für Menschen mit chronischen Schmerzen oder einem geschwächten Immunsystem kann ein überfülltes, lautes Thermalbad mehr Stress als Entspannung bedeuten. Das Gedränge, der Lärm und die Sorge vor Ansteckung können die positiven Effekte des Heilwassers zunichtemachen. Die Lösung liegt im antizyklischen Baden: Planen Sie Ihren Besuch gezielt zu Zeiten, an denen die meisten anderen Gäste nicht vor Ort sind. Die besten Zeitfenster sind in der Regel früh morgens direkt nach der Öffnung oder in den späten Abendstunden kurz vor Schliessung. Auch Wochentage wie Dienstag oder Mittwoch sind oft deutlich ruhiger als das Wochenende.

Ein leeres Becken, wie es das Bild zeigt, ist nicht nur eine Wohltat für die Seele, sondern auch medizinisch sinnvoll. In der Ruhe können Sie sich voll und ganz auf die Signale Ihres Körpers konzentrieren. Dies ist besonders wichtig, um eine sogenannte Balneoreaktion, auch Erstverschlimmerung genannt, richtig zu deuten. Es ist eine normale Reaktion, dass sich Schmerzen nach den ersten Anwendungen kurzzeitig verstärken können, da der Körper auf die starken Reize des Heilwassers reagiert. In einer ruhigen Umgebung können Sie besser spüren, ob die Wärme guttut oder ob eine kürzere Badedauer oder eine kühlere Wassertemperatur angebracht wäre.
Das antizyklische Baden ermöglicht es Ihnen, Ihr therapeutisches Protokoll ohne Ablenkung und Stress durchzuführen. Sie können sich auf langsame Bewegungen konzentrieren, die Nachruhe ungestört geniessen und den Besuch als das gestalten, was er sein sollte: eine persönliche Heilanwendung. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Therme nach den besucherschwächsten Zeiten oder nach speziellen Tarifen für Früh- oder Spätschwimmer.
Laufen vs. Radfahren: Wann sollten Sie bei Knieproblemen zwingend umsteigen?
Bewegung ist für die Gelenkgesundheit unerlässlich, denn sie fördert die Produktion von Gelenkschmiere und stärkt die stützende Muskulatur. Bei fortgeschrittener Kniearthrose oder akuten Schmerzzuständen kann das Laufen jedoch zur Qual werden, da bei jedem Schritt das gesamte Körpergewicht auf dem Gelenk lastet. In diesem Fall ist ein Umstieg auf eine gelenkfreundlichere Sportart nicht nur eine Option, sondern eine medizinische Notwendigkeit. Radfahren ist hier oft die bessere Wahl, da die Bewegung rund und die Belastung geringer ist. Die ultimative Entlastung bietet jedoch das Wasser.
Im Wasser wirkt die Auftriebskraft der Schwerkraft entgegen. In schultertiefem Wasser, so die Rheuma-Liga, reduziert die Auftriebskraft des Wassers das Gewicht auf nur noch 10% des Körpergewichts. Das Gelenk kann somit frei und ohne die schmerzhafte Stossbelastung bewegt werden. Dies ist der ideale Zustand für die Rehabilitation und Schmerzlinderung. Aqua-Cycling, also Radfahren auf speziellen Ergometern im Wasser, kombiniert die Vorteile des Radfahrens mit der Entlastung durch das Wasser.
Für Patienten, die aufgrund von Knieproblemen nicht mehr an Land trainieren können, stellt die Bewegung im Wasser eine Brücke zurück zur Aktivität dar. Ein schrittweiser Therapieplan kann wie folgt aussehen:
- Phase 1: Akute Entlastung durch Wassergymnastik. Bei 32-34°C Wassertemperatur entspannt die Muskulatur, während sanfte Bewegungen die Gelenke mobilisieren.
- Phase 2: Kräftigung durch Aqua-Cycling. Langsame, kontrollierte Tretbewegungen ohne Bodenkontakt kräftigen die Oberschenkelmuskulatur, die das Knie stabilisiert.
- Phase 3: Schrittweiser Übergang. Nach Erreichen der Schmerzfreiheit im Wasser kann langsam mit dem Radfahren an Land begonnen werden, idealerweise ergänzt durch regelmässige Thermalbäder zur Muskelentspannung.
Der Umstieg vom Laufen auf Wasseraktivitäten ist bei Knieproblemen also kein Rückschritt, sondern eine intelligente strategische Entscheidung, um schmerzfrei zu bleiben und die Gelenkfunktion langfristig zu erhalten.
Massage oder Sauna: Was hilft besser bei stressbedingten Nackenverspannungen?
Stressbedingte Nackenverspannungen sind ein Volksleiden. Auf der Suche nach Linderung stehen viele vor der Frage: Ist die trockene Hitze der Sauna oder eine gezielte Massage die bessere Wahl? Die Sauna fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur oberflächlich. Eine klassische Massage kann gezielt verhärtete Muskelknoten (Triggerpunkte) bearbeiten. Beide Methoden haben ihre Berechtigung. Aus balneologischer Sicht gibt es jedoch eine dritte Option, die die Vorteile von Wärme und mechanischer Einwirkung auf einzigartige Weise kombiniert: die Bewegung und Selbstmassage im warmen Thermalwasser.
Die Überlegenheit dieser Kombination wird von Experten bestätigt. Prof. Dr. Karl-Ludwig Resch vom Deutschen Institut für Gesundheitsforschung fasst es treffend zusammen:
Die Kombination aus Wärme, Mineralien und Auftrieb im Thermalbad wirkt am tiefgreifendsten und nachhaltigsten auf muskuläre Verspannungen.
– Prof. Dr. Karl-Ludwig Resch, Deutsches Institut für Gesundheitsforschung
Im 32-34°C warmen Wasser ist die Muskulatur bereits optimal entspannt und empfänglich für mechanische Reize. Der Wasserwiderstand wirkt dabei wie ein sanfter, aber konstanter Masseur bei jeder Bewegung. Diesen Effekt kann man gezielt für die Selbstbehandlung nutzen.
Studienobjekt: Die Effektivität der Selbstmassage im Thermalwasser
Die Logik dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Der Wasserwiderstand verstärkt die Massagewirkung um ein Vielfaches. Bei Übungen wie sanftem Nackenrollen oder Schulterkreisen im Wasser wird die verspannte Muskulatur durch den Widerstand passiv gedehnt und massiert. Gezielte Griffe, etwa das Ausstreichen der Nackenmuskulatur mit der eigenen Hand, werden durch den Widerstand des Wassers intensiviert. Wie Analysen zur Wassergymnastik zeigen, aktiviert diese Kombination aus Wärme und Widerstand die Durchblutung und lockert Verspannungen oft nachhaltiger als eine trockene Massage, bei der die Muskulatur zunächst „kalt“ ist.
Während Sauna und klassische Massage wertvolle Einzelmassnahmen sind, bietet das Thermalbad eine integrierte Lösung. Es ist die effizienteste Methode, um Wärme, Entspannung und mechanische Lockerung gleichzeitig zur Behandlung von stressbedingten Verspannungen zu nutzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Thermalbad ist eine medizinische Anwendung, kein reiner Freizeitspass. Der Erfolg hängt von einem korrekten Protokoll ab.
- Die richtige Dauer (max. 20-25 Min. zu Beginn) und eine anschliessende Nachruhe von 20 Minuten sind entscheidend, um den Kreislauf zu schonen und die Wirkung zu maximieren.
- Die heilsame Wirkung basiert auf zellulären Prozessen (z.B. Hitzeschockproteine) und entzündungshemmenden Mineralien wie Schwefel, nicht auf Kalorienverbrauch.
Entspannung mit Kindern: Gibt es Familien-Spas, in denen Eltern wirklich Ruhe finden?
Für Eltern mit chronischen Gelenkbeschwerden stellt sich oft ein Dilemma: Der Wunsch nach einer therapeutischen Auszeit im Thermalbad kollidiert mit der Betreuungspflicht für die Kinder. Ein normaler Spa-Besuch mit der Familie bedeutet oft mehr Stress als Erholung. Lärm, Spritzwasser und die ständige Aufsichtspflicht machen eine konzentrierte Therapie unmöglich. Doch es gibt Hoffnung: Immer mehr Thermen erkennen dieses Bedürfnis und entwickeln Konzepte für echte Familien-Entspannung.
Die Lösung liegt in der intelligenten Trennung der Bereiche. Echte Familien-Spas bieten sowohl aufregende Kinderwelten mit Rutschen und Spielbereichen als auch akustisch und räumlich klar abgegrenzte Ruhe- und Therapiezonen nur für Erwachsene. Das entscheidende Kriterium ist eine qualifizierte Kinderbetreuung, die es Eltern ermöglicht, sich für ein bis zwei Stunden komplett auszuklinken und sich ihrer eigenen Gesundheit zu widmen. Die Erfahrung von Ingrid Rohde, einer Rheuma-Patientin, unterstreicht dies:
Die Wassergymnastik in der Gruppe macht besonders Spass. Während ich meine Übungen im warmen Wasser mache, sind die Kinder im betreuten Kinderbereich. So kann ich mich voll auf meine Therapie konzentrieren und die Kinder haben auch ihren Spass.
– Ingrid Rohde
Diese Trennung ermöglicht es, den Besuch für alle Familienmitglieder zu einem Gewinn zu machen. Während die Kinder toben und Spass haben, können die Eltern ihr medizinisches Protokoll einhalten, sei es Wassergymnastik, ein Schwefelbad oder einfach nur die wichtige Nachruhe im Stillen.
Ihre Checkliste für eine erholsame Familien-Therme
- Akustische Trennung: Prüfen Sie auf der Webseite oder per Anruf, ob es baulich getrennte Erwachsenen- und Kinderbereiche gibt.
- Qualifizierte Kinderbetreuung: Vergewissern Sie sich, dass eine professionelle Betreuung für mindestens zwei Stunden am Stück angeboten wird.
- Separate Therapiebecken: Gibt es Becken (z.B. Sole- oder Schwefelbecken) mit einer klaren Altersbeschränkung, die Ruhe garantieren?
- Strikte Ruhezonen: Existieren ausgewiesene Ruhebereiche mit einem konsequent durchgesetzten Handy- und Lärmverbot?
- Flexible Eintrittszeiten: Prüfen Sie, ob flexible Tarife ein Rotationsprinzip ermöglichen, bei dem sich Eltern abwechseln können.
Indem Sie Ihren Thermalbadbesuch als eine gezielte medizinische Anwendung betrachten und die hier dargelegten Prinzipien befolgen, können Sie die heilsame Kraft des Wassers optimal für Ihre Gelenkgesundheit nutzen. Planen Sie Ihren nächsten Besuch nicht als Ausflug, sondern als Therapiestunde – Ihr Körper wird es Ihnen danken.
Häufig gestellte Fragen zur Nutzung von Thermalbädern bei Rheuma
Warum verschlimmern sich meine Schmerzen nach dem ersten Thermalbad?
Die sogenannte Erstverschlimmerung oder Balneoreaktion ist eine normale Reaktion des Körpers auf die starken Reize des Heilwassers. Bei akuten Entzündungen kann die intensive Wärme zunächst schaden. Nach dieser kurzen Akutphase wirkt das Thermalwasser jedoch in der Regel sehr angenehm, schmerzlindernd und bewegungsfördernd.
Sollte ich bei Arthritis eher warmes oder kaltes Wasser wählen?
Jeder Organismus reagiert unterschiedlich, daher ist Ausprobieren wichtig. Als Faustregel gilt: Bei ziehenden, akuten Entzündungsschmerzen hilft oft Kühlung. Bei dumpfen, chronischen Schmerzen und Steifigkeit wird warmes Thermalwasser meist als wohltuend empfunden. Vermeiden Sie jedoch zu heisses Wasser, da dies am nächsten Tag zu einer Verschlimmerung führen kann.
Wie vermeide ich eine Verschlechterung?
Der Schlüssel liegt in der Mässigung. Beginnen Sie mit kurzen Badezeiten von 15-20 Minuten. Meiden Sie zu Beginn die heissesten Becken. Pausieren Sie die Thermalbad-Anwendungen, wenn Sie einen akuten Entzündungsschub haben. Hören Sie genau auf die Signale Ihres Körpers und steigern Sie die Dauer und Intensität nur langsam.